Stiftung Warentest – Einstellung des Heftes „Die andere Medizin“

Stiftung Warentest muss sein im September 2005 herrausgebrachtes Heft (Die andere Medizin – Alternative Heilmethoden für Sie bewertet) einstellen. Die DHU (Deutsche Homöopathie Union) hatte vor dem Landgericht Hamburg geklagt und Recht bekommen. Dabei ging es speziell um die Behauptung, dass das Präparat „Heuschnupfenmittel DHU“ ohne medizinschen Wirkungsnachweis ist. Im Gegenzug belegte die DHU (Deutsche Homöopathie Union), dass ein Wirkungsnachweis erbracht worden sei.

10 Gedanken zu „Stiftung Warentest – Einstellung des Heftes „Die andere Medizin““

  1. Das „Heft“ ist ein Buch. Es „muss“ auch nicht eingestellt werden, sondern der Verlag der „Stiftung Warentest“ hat einem Vergleich zugestimmt, wonach die Fünfte Auflage des sehr erfolgreichen Buchs „Die andere Medizin“ nicht mehr an den Buchhandel ausgeliefert wird. Der Buchhandel darf das Buch noch weiterhin verkaufen.

    Das Pharma-Unternehmen DHU hat auch nicht „geklagt“, sondern eine Einstweilige Verfügung beantragt, der seitens des Landgerichts Hamburg stattgegeben wurde. Die Einigung zwischen dem Verlag der Stiftung Warentest und der DHU fand außergerichtlich, dh. ohne Urteil statt, dh. die DHU hat KEIN „Recht bekommen“.

    In dem Buch, das die Stiftung Warentest in der fünften Auflage herausbrachte, fand das „Heuschnupfenmittel DHU“ KEINERLEI Erwähnung. Lediglich die Passage, dass über Komplexmittel-Homöopathika keine Wirkungsnachweise vorliegen, wurde beanstandet.

    Die Argumentation der DHU ging derart: WEIL das „Heuschnupfenmittel“ als homöopathisches Mittel zugelassenen sei, lägen auch WIRKSAMKEITSNACHWEISE vor.

    Die Zulassung als homöopathisches Arzneimittel ist ein relativ einfacher Prozess, denn es wird für diese Apothekenprodukte ohne (Neben-)Wirkungen ein NEGATIVER Wirksamkeitsnachweis gefordert, dh. die Aussage einer (1) Person, dass nach der Einnahme des Mittels eine leichte, kaum fühlbare Verbesserung gespürt zu haben glaubt, reicht aus damit der Zulassung NICHT WIDERSPROCHEN werden darf.

    Die DHU hat in ihren Pressemitteilungen über den Streit gegen die Meinungsfreiheit keine positiv definierten, gar CRT-basierte Wirkungsnachweise vorgelegt, die eine Wirksamkeit als Medikament im Wortsinne belegen würden.

    Die Stiftung Warentest kann jederzeit eine sechste Auflage herausbringen und diesen einen einzigen Satz ändern. (Über die Komplexmitttel-Homöopathica liegen keine wissenschaftlich reproduzierten Wirksamkeitsnachweise vor.)

    An der Gesamtaussage des Buchs „Die andere Medizin“ ändert das nichts.

    MfG Hobe

  2. Dr. Gunver Kienle und Dr. Helmut Kiene vom Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie in Bad Krozingen haben in einem Artikel des DEUTSCHES ÄRZTEBLATT zu den fachlichen und methodischen Schwachstellen des Buches Stellung genommen:

    http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=49323

    Zitat:

    „Die gesamte Darstellung ist bezüglich der zugrunde liegenden Evidenz intransparent. Weder werden konkret die Kriterien der Auswahl der berücksichtigten Studien oder die Kriterien der Studienbewertung genannt, noch werden überhaupt irgendwelche Quellenverweise und Literaturstellen angegeben. Unklar bleibt, warum manche Studien akzeptiert und andere verworfen wurden oder warum wichtige Teilergebnisse aus Studien nicht erscheinen. So muss man den Autoren die Darstellung glauben (oder nicht) und kann keine der Angaben überprüfen. Dies ist die klassische Vorgehensweise der “Eminenzbasierten„ Medizin und steht im Widerspruch zu den Prinzipien der evidenzbasierten Medizin.“

    Aus fachlicher Sicht ist eine derart vernichtende Kritik allerdings nicht verwunderlich. Die Stärken beispielsweise von Krista Federspiel (Studium der Germanistik, Psychologie, Volkskunde und Theaterwissenschaft in Wien) liegen allem Anschein nach im Bereich JOURNALISMUS, vermutlich jedoch weniger im Bereich WISSENSCHAFT, FORSCHUNG & METHODOLOGIE. Und es spricht Bände, dass sie mit solch einer „Qualifikation“ Mitglied des Wissenschaftsrates der GESELLSCHAFT ZUR „WISSENSCHAFTLICHEN“ ERFORSCHUNG VON PARAWISSENSCHAFTEN (GWUP) ist. Minimal-Kriterium für die Aufnahme in einen Wissenschaftsrat sollte meiner Meinung nach eine themennahe wissenschaftliche Qualifikation sein. TheaterWISSENSCHAFT ist in medizinischen Fragen vielleicht etwas themenfern… 😉

  3. Zum Meinungsbeitrag von “Hobe„ vom 6. Februar 2006 in Blogmed:
    Wenn man Fehler Anderer mit dem erhobenen Zeigefinger korrigiert, darf man selbst keine machen. “Hobe„ hat mit folgenden Anmerkungen Unrecht:

    1. Natürlich musste der Vertrieb des Buches “Die andere Medizin„ (5. Auflage) eingestellt werden: Alle sich im Lager befindlichen Ratgeber wurden auf Anweisung des Landgerichts Hamburg eingestampft, lediglich jene Bücher, die bis 28.11. 2005 bereits an Buchhandlungen ausgeliefert waren, durften verkauft werden. Stiftung Warentest wusste sehr wohl, warum sie die einstweilige Verfügung akzeptierte, denn sonst hätte ein Klageverfahren gedroht.
    2. Ob der Ratgeber wie “Hobe„ schreibt “sehr erfolgreich„ ist, kann nicht bewiesen werden, auch “Hobe„ nennt weder eine Quelle noch Zahlen der verkauften Exemplare um seine Behauptung zu untermauern.
    3. Hobe irrt sich ferner wenn er schreibt, dass das Heuschnupfenmittel DHU in der 5. Auflage “KEINERLEI Erwähnung„ gefunden hat: Auf Seite 161, in der Mitte der ersten Spalte, wird es unter der Überschrift “Komplexmittel-Homöopathie„ namentlich genannt. Außerdem wird der unzutreffende Eindruck erweckt, für dieses Präparat gäbe es weder einen nach der klassischen Homöopathie noch den für konventionelle Arzneimittel erforderlichen Nachweis der Wirksamkeit. Das Heuschnupfenmittel DHU ist jedoch ein zugelassenes Arzneimittel, für das der erforderliche Wirksamkeitsnachweis für die Indikationen “allergische Erkrankung der oberen Atemwege wie z.B. Heuschnupfen (Pollinosis) und ganzjähriger allergischer Schnupfen (perenniale allergische Rhinitis)„ erbracht worden ist.
    4. “Hobe„ müsste wissen: Ohne einen Wirksamkeitsnachweis wird in Deutschland kein Arzneimittel zugelassen, unabhängig davon, ob es ein homöopathisches Medikament ist oder nicht. Auch ist eine Zulassung kein “relativ einfacher„ Prozess, sondern verlangt die fach- und sachgerechte Dokumentation zum Beleg der Wirksamkeit, pharmazeutischen Qualität und Unbedenklichkeit. Die Behauptung, es genüge “die Aussage einer (1) Person, dass nach der Einnahme des Mittels eine leichte, kaum fühlbare Verbesserung gespürt„ wurde, ist lächerlich und unterstreicht die Unkenntnis und Polemik des Autors.
    5. Die DHU wäre ganz schön dumm, wenn sie – wie “Hobe„ fordert – über Pressemitteilungen Wirkungsnachweise veröffentlichen würde. Ihre Mitbewerber würden sich freuen. Das Gesundheitswesen in Deutschland und die oberste Zulassungsbehörde darf nicht auf die Ebene eines Rummelplatzes verlagert werden.
    6. Die zwischenzeitlich erschienene 6. Auflage widerlegt die letzte Aussage des Autors (“ An der Gesamtaussage … ändert sich nichts„). Es wurde sehr wohl sehr viel geändert.
    Wenn man selbst Erbsen zählt oder wenn Millimeterpapier für jemanden klein kariert ist, sollte man sich erst schlau machen und keine falschen Informationen in die Welt setzen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. W.

  4. Aus beruflichen Gründen verfolge ich die Kontroverse um das Buch „Die Andere Medizin“ schon seit geraumer Zeit mit Interesse. Und ich unterstütze vehement das Anliegen der GWUP, Komplementär- und Alternativmedizin nach wissenschaftlichen Kriterien zu überprüfen. Warum sollen hier niedrigere Maßstäbe angesetzt werden, als in der medizinischen Forschung und Schulmedizin.

    Bei aller Sympathie für das ehrenamtliche Engagement der Skeptiker, die ihre Arbeit selbst finanzieren müssen und keine öffentlichen Fördergelder erhalten, habe ich allerdings den Eindruck, dass die GWUP ihrem eigenen Anliegen hier unglaublich großen Schaden zufügt.

    Auf der oben erwähnten Homepage des Online-Magazins psychophysik.com fand ich einen Offenen Brief an die GWUP:

    Kritik am Buch „Die Andere Medizin“
    Vorsätzliche Täuschung der Öffentlichkeit durch die GWUP?

    http://www.psychophysik.com/html/ak03-gwup10-die_andere_medizin.html

    der mir beim ersten Lesen etwas arg „laut“ und reißerisch vorkam. Bei genauer Prüfung der einzelnen Argumente wie z.B. der GWUP-Pressemeldung

    http://www.gwup.org/aktuell/news.php?aktion=detail&id=315

    muss ich allerdings feststellen, dass das Grundanliegen der Kritik berechtigt, schlüssig argumentiert und akribisch recherchiert ist und ich mir die Frage stelle, warum die GWUP ihr Renommee durch eine so primitive und desinformierende Pressemeldung gefährdet und auf ihrer Homepage keine offene Diskussion über diese Kontroverse zulässt. Ist den Herren und Damen nicht bekannt, dass solche Tricks im Internet ganz schnell zum Rohrkrepierer werden können?

    Das hat schon fast den Charakter von vereinsschädigendem Verhalten und gibt Anlass zu der Frage, was sich sonst noch an „Leichen“ auf der GWUP-Homepage versteckt…

    Eva

  5. [Zitat]
    […] Hierzu schreibt Hobe im Weblog „Medizinische Nachrichten”: […]
    [/Zitat]

    Das glaube ich nicht. Die Fakten sind doch ganz klar. Das ist entweder der Deckers, oder der Behrmann.

    Gute Recherche, Herr Fritzsche!

    ~*~*~*~

  6. Im Skeptiker 3/2006 gibt es zahlreiche Infos zu der Kritik an DIE ANDERE MEDIZIN. Eine kritische Buchbesprechung und ein Interview mit der Autorin Krista Federspiel zu ihrem Buch und den wichtigsten Vorwürfen: http://gwup.org/skeptiker/archiv/2006/3/
    Die beiden erwähnten Artikel sind kostenlos downloadbar.

    Und zu Dr. W. Es stimmt nicht, dass homöopathische Mittel zugelassen werden, wenn sie ihre Wirksamkeit belegt haben. Die Homöopathen können selbst entscheiden (Binnenkonsens), was wirkt, nicht nach objektiven und in der Wissenschaft üblichen Verfahren und melden dann ihre Medikamente an. Die strengen und guten Methoden der wissenschaftlichen Medizin müssen für alle Verfahren gelten, sowohl in der Schulmedizin, als auch in der Alternativen.

  7. Die Diskussionen in der Homöopathie sind sehr „erschöpfend“…

    Natürlich könnte ich damit beginnen zu erwähnen:

    – das für die meisten Operationen KEINE Studien vorliegen, sondern ERFAHRUNGEN.

    – ich könnte von eigenen Anwendungsbeobachtungen bei Kleinkindern und Säuglingen berichten deren Besserung so überzeugend sind (Krupp, Keuchhusten, versch. Fieber und Entzündungszustände und weitere), das hier KEIN Placeboeffekt diskutiert werden kann. So etwas können Sie mir bei einem Erwachsenen einreden, aber nicht bei einem 6 Monate Säugling…

    Wie dem auch sei:

    Da sich alle auf die Wissenschaftlichkeit beziehen, möchte ich zu bedenken geben, dass dafür bestimmte Kriterien gelten. Ich beziehe mich dabei auf die Falsifizierbarkeit nach Popper.

    Die Falsifizierbarkeit war für Popper das Kriterium, um eine Theorie der empirischen Wissenschaften (Erfahrungswissenschaften) von nicht-empirisch-wissenschaftlichen Theorien zu unterscheiden. Und die Medizin ist und bleibt eine Erfahrungswissenschaft in diesem Sinne, denn wir kennen nicht alle Parameter von Gesundheit und auch nicht von Krankheit (anders als z.B. in der Mathematik – und in der Physik gilt das auch nur für die meisten Bereiche).

    „Popper unterschied grundsätzlich die “logische Falsifizierbarkeit„ von der “praktischen Falsifizierbarkeit„. Eine Theorie kann dann berechtigt als wissenschaftliche Theorie angesehen werden, wenn man mindestens einen Beobachtungssatz findet, dessen empirische Prüfung logisch zu einem Widerspruch führen kann. Dabei wird nicht ausgeschlossen, dass in der Praxis wegen des Fehlens geeigneter Experimente (zum Beispiel in der Astronomie oder in der Atomphysik) eine Falsifikation gar nicht durchgeführt werden kann.“ aus wikipedia

    Ein weiteres Kriterium muss die Werturteilsfreiheit des Beobachters sein.

    Leider scheitern die meisten Studien genau daran: „Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing“

    Ich war lange genug mit der Auswertung von Statistiken und Forschungen während meiner Studienzeit beschäftigt um dies beurteilen zu können.

    Dies gilt für die Verfechter der Homöopathie genauso wie für die Gegner. Hier werden dogmatische Glaubenskämpfe ausgetragen – mit Wissenschaft hat das nicht viel zu tun.

    Bis dahin halte ich mich an meine Anwendungsbeobachtungen und den ersten Grundsatz in der Medizin:

    Den Patienten erst einmal NICHT zu schaden.

    Ich bitte darüber einmal nachzudenken.

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