Der Petz-Paragraf

Seit dem 1.Juli sollen Ärzte den Krankenkassen Behandlungen melden, wenn Patienten durch eigenes Verschulden erkrankt sind. Dazu gehören unter anderem Komplikationen nach Tätowierungen, Piercings oder Schönheitsoperationen. Damit wird die ärztliche Schweigepflicht ausgehöhlt. Das kritisieren Ärzteverbände und Datenschützer.

Die im Paragrafen 52 SGB V festgelegte Meldepflicht wird deshalb auch als Petz-Paragraf bezeichnet. Die Meldepflicht ist eingeführt worden, damit Patienten die Kosten der selbst verschuldeten Behandlung übernehmen.

8 Gedanken zu „Der Petz-Paragraf“

  1. Ich sehe das aktuelle Thema in bezug auf Piercings etc zwiespältig, es zeigt aber, wo die Reise hingehen wird… Man darf gespannt sein, was man in Zukunft noch alles messen, registrieren und melden darf. Solange bis Ärzten grundsätzlich nicht mehr vertraut wird…

  2. Also ich denke, dass es in gewissem Maße sogar gerechtfertigt ist, aber mich würde interessieren, von welchem Zeitraum die Ausgehen. Ich meine, wenn man ein Piercing hat, kann das ja jahrelang gut gehen und auf einmal stößt der Körper das Piercing ab, es kommt zu Entzündungen etc. Dann müsste man rein theoretisch einem Raucher auch alles in Rechnung stellen, wenn er an einem Raucherbein etc. erkrankt und Behandlungsmaßnahmen wie Amputation etc. notwendig werden. Er ist ja selber Schuld, wenn er raucht.

  3. Das ist eine sehr gute Frage und durchaus berechtigt. Ich geh davon aus, dass es hierbei vor allem um unmittelbare Komplikationen nach einem Piercing oder nach einer Schönheitsoperation geht, die hunderprozentig darauf zurückzuführen sind. Spätere Komplikationen sind – auch juristisch – schwieriger nachzuweisen.

  4. Ich persönlich habe zwar nur bedingt Mitleid, wenn jemand an Folgeerkrankungen durch Piercings oder Tattoos leidet, was natürlich nicht heißt, dass ich mich am Leid von anderen Leuten erfreue.

    Ich halte es aber für problematisch, solche Erkrankungen der Kasse zu melden. Dies alleine schon deswegen, weil ich mich frage, wo man dann weiter macht.

    Sport ist beispielsweise zwar sinnvoll. Ein Skiunfall ist aber in gewisser Weise auch selbst verschuldet. Wäre der Betroffene nämlich auf dem Sofa gesessen, wäre er wahrscheinlich nicht verunglückt. Das gilt natürlich auch für andere Sportverletzungen.

    Was ist mit Aids? Die wenigsten Infektionen sind ein Unfall wie z.B. durch Bluttransfusion bedingt. Der Mehrzahl der Ansteckungen ist auf das Verhalten der Betroffenen zurückzuführen.

    Bei den ganzen durch Übergewicht, Alkohol- oder Nikotinkonsum verursachten Krankheiten kann man weiter machen.

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